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Tipps für den Partner

Bekannte von Überlebenden sind oft hilflos und ratlos, wenn sie mit den Problemen des Opfers konfrontiert werden. Die Opfer sind allerdings auch hilf- und ratlos und wissen auch nicht, was sie tun sollen und wie man ihnen am besten helfen kann. Denn auch sie wurden zu Opfern gemacht, ohne daß man sie gefragt hat und stehen nun auch ohne Vorankündigung vor Gefühlen, mit denen sie noch nie in ihrem Leben zu tun hatten. Das führt zwangsläufig zu Problemen auf beiden Seiten und miteinander. Um dem etwas entgegenzuwirken, möchten wir hier ein paar Ratschläge für Partner und Freunde auflisten. Diese Erkenntnisse kamen uns im Laufe der Zeit, die wir uns mit diesem Thema beschäftigten.
Aber denk daran, daß jeder Mensch anders ist und somit auch jede Überlebende. Dieses ist keine Gebrauchsanweisung, nur Hinweise. Nach dem Weg mußt Du / ihr selber suchen.
Wir hoffen euch damit zu helfen.

Vermutung
"Was mach' ich, wenn ich vermute, daß meine Freundin vergewaltigt worden ist?"
 
Diese Frage bekamen wir schon einige Male gemailt. Vor allem von Männern. Es bezog sich nie auf die Frauen aus Partnerschaften, sondern auf gute Freundinnen. Aber das ist im Grunde völlig egal. Was wir in diesem Fall empfehlen ist folgendes: Sorge dafür, daß ihr beide Zeit für ein Gespräch habt. Sorge dabei dafür, daß später keine weiteren Termine anstehen, daß ihr nicht unterbrochen werden könnt (Telefon, Eltern, Mitbewohner etc). Lege Taschentücher bereit, vielleicht werdet ihr sie brauchen. Versuche für eine möglichst entspannende und gemütliche Atmosphäre zu sorgen. Vielleicht Musik und Kerzen, Tee oder so. Und dann frage sie direkt, aber vorsichtig, z.B.: "Ich habe gemerkt, daß Du in letzter Zeit so anders geworden bist. Und hab mir natürlich Gedanken gemacht. Ist da etwas, was Du mir erzählen möchtest? Könnte es sein, daß Du vergewaltigt worden bist?" Stelle Dich selbst nicht unter den Druck jetzt eine Lösung für alle ihre Probleme parat zu haben! Die gibt es nicht. Und die erwartet sie nicht! Das, was jetzt zählt, ist Zuhören! Höre ihr zu. Und sag auch, daß Du nicht weißt, wie Du jetzt reagieren sollst. Denn Ehrlichkeit wird euch beiden nun am besten weiterhelfen. Sei einfach für sie da! Ein späterer Schritt wäre vielleicht sie zu einer Beratungsstelle o.ä. zu begleiten. Und immer wieder für sie da zu sein und zu zuhören!

Reindenken
(besonders für männl. Freunde)

Versuche Dich öfter mal in Deine Freundin reinzudenken. Versuche ihre Angstgefühle nachzuvollziehen, z.B. wenn sie nachts nicht U-Bahn fahren will, oder in Bezug auf Berührungen.
Auch wenn Du viele der folgenden Punkte nicht verstehen kannst und es Dir schwer fällt sie nachzuvollziehen, dann tu mir den Gefallen und akzeptiere es einfach. Viele Dinge sind wahnsinnig schwer zu erklären. Besonders wenn das Opfer selber mitten drin steckt und nicht weiß, was mit ihm passiert.

Telefon
 
Überlebenden fällt es meistens sehr schwer um Hilfe zu bitten, wenn es ihnen schlecht geht. Die Angst jemanden zu stören oder zu belästigen ist oft so groß, daß sie sich nicht trauen.
Biete Deiner Freundin an, daß sie Dich jederzeit anrufen kann (nur, wenn Du das wirklich willst!), zu jeder Tag und Nachtzeit. Denn meistens kommen die schlimmen Phasen nachts. Wiederhole dieses Angebot immer mal wieder, denn nur, wenn sie sich ganz sicher sein kann, daß Du es ernst meinst, nur dann wird sie sich wirklich trauen Dich anzurufen, wenn es ihr schlecht geht.
Wenn möglich, biete ihr auch an vorbeizukommen, wenn es ihr schlecht geht. Aber sei dann auch bereit nachts wieder zurückzufahren, denn ein Übernachtungs-Gast kann auch wieder eine zusätzliche Belastung für sie bedeuten.

Positiv
 
Wenn sie in einer schlimmen Phase ist, dann versuche sie daran zu erinnern, daß es wieder besser werden wird (auch, wenn sie das gar nicht hören und schon gar nicht glauben will, aber irgendwie kommt's doch an). Versuche, daß sie drüber nachdenkt, wann es ihr das letzte Mal gut ging und betone, daß es immer wieder gute Zeiten geben wird.

Geduld
 
Nimm sie in den Arm, das ist es, was sie braucht! Und laß sie weinen. Das braucht man dann!

Reden - Zuhören
 
Biete ihr immer wieder an, daß sie mit Dir reden kann. Daß Du ihr zuhörst. Und sei Dir dessen bewußt, daß die Aufarbeitung Jahre dauern kann! Jahre.
Und sie immer wieder Themen haben wird, über die sie sprechen will / muß. Mal neue, mal alte. Versuche sie zu verstehen.

TV
 
Wenn im Fernsehen Szenen kommen, in denen Frauen Gewalt angetan wird, oder Sex gezeigt wird, dann komme selber auf die Idee umzuschalten. Auch wenn es sie stört, heißt das nicht, daß sie es auch sagen wird. Und Fragen Deinerseits wie "Warum denn?" wenn sie umschalten will, helfen da auch nicht weiter. Dadurch fühlt sie sich nur noch 'bescheuerter', als sie sich ohnehin schon vorkommt (weil sie nicht das sehen kann, was 'normale' Leute sehen).

Bewußte Wortwahl
 
Achte in Gesprächen darauf, was gesagt wird. Vor allen in Gesprächen mit Dritten, die nichts von den schlimmen Erlebnissen Deiner Freundin wissen. Es können Worte fallen, die sie an die Tat erinnern. Nicht nur direkte Worte, wie "Vergewaltigung", sondern auch andere Worte, die individuell bei ihr bestimmte Erinnerungen auslösen. Und alleine kann sie sich oft nicht helfen. Sie ist gefangen in den Erinnerungen und erstarrt vor Angst und Unfähigkeit zu handeln.
Nimm sie beiseite und rede mit ihr. Nimm sie in den Arm. Zeig ihr, daß es normal ist, was sie fühlt. Und daß Du sie verstehst!
 
Oft wird das Wort "vergewaltigen" ja auch in falschen Zusammenhängen unbedacht gebraucht, das finden wir besonders schlimm. Wenn Du den Mut hast, kannst Du den Gesprächspartner darauf aufmerksam machen.
Ein Beispiel: Hat z.B. ein Kollege gesagt "Jetzt können Sie die Tabelle vergewaltigten", könntest Du antworten: "Eine Tabelle kann man nicht vergewaltigen. Eine Vergewaltigung bedeutet Angst, Schmerz und Demütigung. Und eine Tabelle kann diese Gefühle nicht erfahren. Sie kann nicht fühlen. Aber die Menschen um Sie herum können es. Und mit dieser Äußerung können Sie diese Gefühle in ihnen auslösen. Ich denke nicht, daß das Ihre Absicht ist, also sollten Sie in Zukunft besser ein passenderes Wort wählen."

Therapie
 
Wenn Deine Freundin noch keine Therapie macht, dann versuche ihr zuzureden, daß sie eine beginnt. Versuche herauszufinden, weshalb sie vielleicht Angst davor hat. Und biete ihr an mit ihr die dafür notwendigen Schritte zu machen (Beratungsstelle aufsuchen, zur Therapeutin gehen, Krankenkassenkram erledigen usw.). Begleite sie später zu den Sitzungen, oder hole sie ab. Sei interessiert was da passiert, worüber sie redet und so weiter.

Ruhe
 
Depressive Menschen benötigen meist viel Ruhe. Sei ihr nicht böse, wenn sie keine Lust hat auszugehen oder fernzusehen. Der ganz normale Alltag ist oft schon anstrengend genug. Spaziergänge dagegen können sehr schön sein. Frag sie, was sie braucht.

Kreativität
 
Versuche Deine Freundin dazu zu bewegen sich kreativ zu beschäftigen, zu malen, schreiben oder so. Auf diese Weise kann sie Gefühle verarbeiten, die sie sonst vielleicht nicht so gut loswerden könnte.

Körper
 
Um das gestörte Körpergefühl wieder zu verbessern, ist es für Überlebende oft gut mit dem Körper zu arbeiten, Sport, Yoga, oder so. Versuche sie dabei zu unterstützen.

Hausarbeit
 
Hausarbeit kann für depressive Menschen sehr anstrengend werden. Es ist keine Faulheit von ihr. Es ist nur einfach zu anstrengend für sie. Wenn Du merkst, daß Deine Freundin damit Probleme hat, dann biete an ihr zu helfen.
Das kann eine große Entlastung darstellen und damit den Alltag erleichtern. So hat sie mehr Zeit für sich selbst. Und die braucht sie.

Sex
 
Bitte sei gerade auch hier besonders geduldig mit Deiner Freundin. Dränge sie zu nichts! Auch wenn sie sich 'kurz vorher' doch noch anders entscheiden sollte. Respektiere sie.
Sei Dir bewußt, daß Du als Mann für sie unterbewußt eine Gefahr bedeuten kannst, eine Bedrohung, jemand, vor dem und vor dessen Berührungen sie Angst haben muß. Damit ihr so etwas Schlimmes nicht noch mal passiert. Geduld ist das Wichtigste hier! Viel Geduld.
Und wenn es Dir nicht ausreicht, was sie Dir sexuell 'zu bieten' hat, dann bist Du wohl nicht der richtige Mann für sie! Wenn Du sie liebst, dann hilfst Du ihr dadurch. Und sie wird Dir dafür dankbar sein.

Selbstverletzung
 
Selbstverletzung bedeutet in der Regel Schneiden, Kratzen, oder was auch immer, in Zeiten, wo es den Überlebenden schlecht geht.
 
Bei den meisten Frauen ist es der Schmerz, den sie fühlen wollen, wenn sie sich selbst verletzen. Der Schmerz, der uns spüren läßt, daß wir noch am Leben sind. Denn alle inneren Gefühle sind abgetötet worden. Sie führten nur zu Leid. Und nun ist der Schmerz das einzige Gefühl, was wir intensiv genug wahrnehmen können, um uns am Leben zu fühlen.
 
Was nicht hilft sind Vorwürfe! "Wie konntest Du das nur machen!" "Du hast mir versprochen das nie wieder zu tun!" Damit kommt man nicht weiter, sonder verschlimmert noch alles. Verständnis ist gefragt. Hilfe bei der Versorgung der Wunden . Hilfe vielleicht beim Herausfinden, woran es gelegen haben kann. Wobei man aber keine Antwort erwarten sollte, die schnell zu finden ist. Unterstützung. In jeder Beziehung. Zuhören.

Grenzen
 
Ein Tipp von Herby:
"Als Partner einer Überlebenden darf oder soll man ihr auch sagen, wenn man selber an seine Grenzen kommt. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich mich ruhig auch mal von ihr trösten lassen kann. Wir Partner sind keine Übermenschen, auch wir haben unsere Grenzen, und wir sollten der Überlebenden ruhig auch mal unsere Schwächen zeigen, ihr sogar erklären wo wir nicht mithalten können, wo unser Problem liegt."
Ein sehr wichtiger Punkt! Denn wenn Du Dich verausgabst, kannst Du ihr auch nicht mehr viel helfen. Suche Dir, was Du brauchst um stark bleiben zu können. Dazu kann der Austausch mit anderen Überlebenden auch sehr wichtig sein.

Bedanken
 
"Wenn eine Überlebende sich für etwas bedankt, ob das nur zuhören war oder ein bisschen in den Arm nehmen, ist es für die Überlebende sehr wichtig, daß das Danke angenommen wird. Der Partner sollte das, was er gemacht hat weder hochspielen noch bagatellisieren. Einfach das Danke als Danke hinnehmen."
Ein schöner Rat für eine harmonische Beziehung! So sehen beide, daß ihre Gefühle gegenseitig respektiert werden.



  
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