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Sexueller Missbrauch


Anfang der achtziger Jahre gab es auch in der Bundesrepublik Deutschland betroffene Frauen, ermutigt von der Frauenbewegung, die begannen, öffentlich über den Umstand in der Kindheit und Jugend sexuell missbraucht worden zu sein, zu sprechen.

Damit machten sie darauf aufmerksam, dass es sich dabei nicht nur um vereinzelte Übergriffe handelt, sondern ein bedrückender und verwirrender Bestandteil des alltäglichen Lebens vieler Kinder und Jugendlicher die sexuellen Missbrauch durch Ältere, Stärkere, Mächtigere - enge Verwandte, Freunde, Respektpersonen - erfahren.

In diesem Zusammenhang wurde auch zum ersten Mal öffentlich die begründete Behauptung aufgestellt, sexueller Missbrauch sei innerhalb des engsten Familienkreises nicht, wie man bis dahin allgemein angenommen hatte, äußerst selten, sondern nur ein besonders sorgsam gehütetes Familiengeheimnis.

Allmählich wurde bekannt, dass sexueller Missbrauch von Erwachsenen an Kindern nicht nur in großem Umfang besteht, sondern dass er sich häufig in ein und derselben Familie über Generationen hinweg fortsetzt. Dennoch ruft die Konfrontation mit diesem inzwischen gut belegten Faktum nach wie vor bei vielen von uns heftige Abwehr- und Ungläubigkeitsreaktionen hervor. Wir können kaum glauben, dass es so etwas geben soll, reagieren mit Abscheu, Ekel und Unverständnis bzw. versuchen, so lange wie möglich dem Problem aus dem Weg zu gehen.

Folglich bleiben auch heute noch viele Betroffene in ihrer Not allein und sind weiterhin dem Missbrauch ausgeliefert. Damit sich aber Kinder und Jugendliche aus den verhängnisvollen Verstrickungen in Missbrauchsbeziehungen befreien können, bedarf es zu allererst der verständnisvollen Unterstützung und Hilfe von Erwachsenen, die ihnen Glauben schenken und denen sie vertrauen können.

Um Kinder und Jugendliche vor sexuellem Missbrauch zu schützen, sollten Erwachsene, besonders Pädagogen und Erzieher, offen das Problem erörtern und nach neuen Formen des Umgangs und der Hilfe suchen. Ein Kind hat niemals den gleichen Informationsstand über Sexualität wie ein Erwachsener. Darüber hinaus macht die strukturelle Abhängigkeit des Kindes von einem Erwachsenen eine freie Entscheidung zu einer sexuellen Beziehung unmöglich. Die im Missbrauch von Kindern und Jugendlichen enthaltene Beziehung basiert in allen Fällen auf einem Ungleichverhältnis, das immer auch ein Machtgefälle und einen Machtmissbrauch beinhaltet.

Ein weiterer zu beachtender Aspekt ist der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen der nicht nur in der Familie geschieht, sondern auch in Institutionen wie z.B. Kindergärten, Schulen, Heimen, Jugendzentren, Beratungsstellen oder Krankenhäusern.

Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein Straftatbestand (Offizialdelikt), mit dem sich §§ 174 und 176 StGB befassen. Jedoch ist niemand dazu verpflichtet, Anzeige zu erstatten, wenn er oder sie von einem sexuellen Missbrauch erfährt oder einen diesbezüglichen Verdacht hat. Polizei und Staatsanwalt müssen jedoch ein Ermittlungsverfahren einleiten, wenn sie auf irgendeine Weise Kenntnis davon erhalten. Zum Schutz des Kindes können aber vor allem auch vormundschafts- oder familiengerichtliche Verfahren in Gang gebracht werden.

Eher werden die Fälle außerhalb des engeren Familienkreises angezeigt werden. Je näher der Missbraucher zum engsten Familienkreis gehört, desto größer ist der Druck zur Geheimhaltung.

Überwiegend sind es Männer, die die Kinder und Jugendlichen missbrauchen. Obwohl auch Frauen Missbrauch begehen, bzw. sich häufig auch an sexuellem Missbrauch beteiligen, gibt es bisher wenig Untersuchungen über dessen Ausmaß und die eventuellen psychischen Folgen für die Opfer. Einigkeit besteht darüber, dass Missbrauch in den meisten Fällen durch ein Familienmitglied oder durch eine der Familie nahestehende Person geschieht.

Missbrauch durch dem Kind völlig fremde Personen - das sind die Fälle, über die dann in den Zeitungen berichtet wird - stellt eher eine Ausnahme dar. Soweit bis heute bekannt ist, beginnt sexueller Missbrauch häufig zwischen dem 6. und 10. Lebensjahr von Kindern, ca. 25 % der betroffenen Kinder sind sogar erst zwischen zwei und fünf Jahre alt, wenn der Missbrauch beginnt. Je größer unser Wissen über sexuellen Missbrauch wird und wir weiter für diese Problematik sensibilisiert werden, um so deutlicher werden auch die vielen möglichen Facetten des Missbrauchs.

Daher gibt es keine einfachen und eindeutigen Antworten und keine vorgegebenen Handlungsanweisungen. Wir müssen für jedes einzelne Kind und seine Familie angemessene Hilfen und Lösungen suchen.


Sexueller Missbrauch in der Familie

Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen innerhalb der Familie ist fast nie ein einmaliges oder "zufälliges" Ereignis, sondern ein Problem, von dem alle Familienmitglieder in unterschiedlicher Art und Weise betroffen sind. In der Regel entwickelt sich das Missbrauchsgeschehen in einem über Jahre dauernden Prozess und ist Ausdruck von tiefen Konflikten in der Familie, die von allen und vor allen anderen geheimgehalten werden. Nach außen zeigen viele dieser Familien keine besonderen Merkmale. Sie unterscheiden sich weder in ihrer kulturellen, noch in ihrer Schicht- und Religionszugehörigkeit von den Familien, in denen sexueller Missbrauch nicht vorkommt.

Anders ist es mit der inneren Struktur der Missbrauchsfamilie. Hier werden die Generationsschranken und die persönlichen und sexuellen Grenzen der Kinder und Jugendlichen massiv verletzt. Diese Verwischung der Grenzen zeigt sich z. B. auch darin, dass den Kindern keine persönlichen Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und ihre Privatsphäre nicht respektiert wird. Wenn überhaupt Grenzen vorhanden sind, dann ist es die Grenze gegenüber der vermeintlich "feindlichen" Außenwelt, gegen die sich alle Familienmitglieder zusammenschließen müssen. Versuche, aus dem Familiensystem auszubrechen, werden weitestgehend unterdrückt und mit Schuldzuschreibungen geahndet.

Einige dieser Familien gleichen einer Festung, die ihren Bestand durch eine hohe Loyalitätsverpflichtung und ein rigides Moralsystem zu sichern sucht. Der einzig erlaubte Kontakt der Kinder zur Außenwelt ist der zur Schule, in die sie manchmal richtiggehend flüchten, deren Anforderungen sie oft aber nicht bewältigen können. Auch dort werden sie von den Gedanken an das Geschehen in der Familie verfolgt: "Was erwartet mich, wenn ich nach Hause komme?"

Die unentwegte innere Beschäftigung der missbrauchten Kinder mit ihren Familien, ihre ständige Sorge um Ruhe und Frieden ist ein deutliches Anzeichen für die Störung in den Beziehungen.

Die Aufgaben und Rollen werden zwischen den Eltern und Kindern vertauscht:

In einigen Familien übernimmt z. B. die älteste Tochter dann nicht nur die Rolle als "Sexualpartnerin" für ihren Vater, sondern auch die gesamte Haushaltsführung und die Sorge für die jüngeren Geschwister. In diesem Fall fühlt sich das Mädchen dann auch für die gesamte Atmosphäre in der Familie verantwortlich. Sie "begreift" es als ihre Aufgabe, die Mutter z. B. vor den Wutausbrüchen oder jüngere Geschwister vor sexuellen Übergriffen des Vaters zu schützen sowie ihn in der von ihm gewünschten Art zu besänftigen. Trotz der Bemühungen dieser Kinder, die Anforderungen zu erfüllen, bleibt ihnen die gewünschte Anerkennung von ihren Eltern versagt, und sie erleben an anderer Stelle ihre (strukturelle) Abhängigkeit und Ohnmacht. Ohne verständnisvolle Hilfe von außen bleiben sie im Missbrauchsgeschehen verfangen.

Es fällt ihnen schwer, ihre tatsächlichen Bedürfnisse wahrzunehmen und in der Familie eigene Wünsche und Lebensperspektiven zu entwickeln. Die Verantwortung, die diese Eltern ihren Kindern aufbürden, verpflichtet sie nicht nur, stillzuhalten und das Geheimnis zu wahren, weil sonst eine Auflösung der Familie droht; sie sollen vielmehr in einem ganz umfassenden Sinn die Familie "bemuttern". Die Ursachen für diese Rollenkonfusion liegen bei beiden Eltern, die weder die Ehepartner- noch die Elternrolle adäquat ausfüllen können. Es sind häufig unreife Erwachsene, die außerstande sind, Verantwortung für sich und die Kinder zu übernehmen.

Ihre meist unbewussten Forderungen an die Kinder, dass diese Elternfunktionen übernehmen, begründen sich in ihrer eigenen emotionalen Bedürftigkeit nach elterlicher Zuwendung. Dem nicht erwachsenen, unreifen Verhalten der Eltern als wesentlichem Element für die Entstehung von sexuellem Missbrauch in der Familie liegen wiederum in der Regel weit zurückliegende traumatische Erfahrungen zugrunde. Auch wenn das Wissen um die Tradierung von Problemen über Generationen hinweg (Großeltern/Eltern/Kind) immer noch begrenzt ist, hat sich doch gezeigt, dass Erwachsene, die missbrauchen oder den Missbrauch zulassen, häufig selbst als Kinder misshandelt und/oder missbraucht wurden.

Aufgrund dieser Erfahrungen konnten sie nicht die Fähigkeit entwickeln, im Erwachsenenalter reife sexuelle Beziehungen aufzubauen und die Rollen als Eltern verantwortungsvoll zu übernehmen.Darüber hinaus haben vielfach sowohl Vater als auch Mutter in ihren Herkunftsfamilien schmerzliche Trennungen von den Eltern oder der Familie erlebt und in der Folge unbewusste Trennungsängste aufgebaut.

Sie sehen sich daher außerstande, sich Konflikten zu stellen und sich aus einer problematischen Beziehung gegebenenfalls zu lösen. Einem drohenden Auseinanderbrechen der Familie versuchen sie mit allen Mitteln entgegenzuwirken.

Der sexuelle Missbrauch und die Notwendigkeit seiner Geheimhaltung hat dann die Funktion, dieanstehenden Familienkonflikte zu vermeiden oder zu regulieren, die Familie zu stabilisieren und den Ausbruch eines Mitglieds aus der Familie zu verhindern.

Erst wenn man diesen Hintergrund mit einbezieht, wird verständlich, dass die Offenlegung des Missbrauchs den inneren Zusammenhang der Familie existentiell infrage stellt - unabhängig von den möglichen äußeren, sozialen Folgen und über diese hinausgehend.

Ein weiteres Trauma der Eltern in ihrer frühen Kindheit liegt fast immer in früher emotionaler Vernachlässigung oder Zurückweisung. Die Väter in den Herkunftsfamilien waren entweder nicht präsent oder autoritär. In der Regel gelang es ihnen auch nicht, entstandene Lücken auszugleichen und auf die Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen und stellten daher nur ein defizitäres und wenig nachahmenswertes Modell für die Kinder dar. Dennoch werden oft nicht sie, sondern die Mütter für den emotionalen Mangel verantwortlich gemacht.

Diese lebensgeschichtlichen Erfahrungen beider Elternteile bestimmen ihre spätere Partnerwahl, die nicht auf eine gleichberechtigte Beziehung ausgerichtet ist, sondern der Kompensation der frühkindlichen Entbehrungen dient. Nicht ein Partner, der alles das geben soll, was in der Kindheit vermisst worden ist sondern eine "gute Mutter" oder ein "guter Vater" bilden das Ziel der Suche.

Diese kindlichen Erwartungen an diePartner können zu erheblichen Enttäuschungen führen. Versteckte oder offenegegenseitigen Aggressionen und in der Folge rücksichtslose Inanspruchnahmeder schwächsten Familienmitglieder sind vorprogrammiert.

Nach den bisherigen Erkenntnissen sind es überwiegend die Männer/Väter der Familie, die Mädchen sexuell missbrauchen. Allerdings stellt der Anteil des Vater-Sohn-Inzests ebenfalls ein ernstzunehmendes Problem dar. Manifester sexueller Missbrauch durch eine Frau/Mutter ist bisher in weit geringerem Maß bekannt. Frauen treten allerdings in Familien teilweise als Mittäterinnen in Erscheinung. Über Formen latent missbräuchlichen Verhaltens von Müttern wird von erwachsenen Männern jedoch in letzter Zeit häufiger berichtet.

In dem Bemühen, den sexuellen Missbrauch psychisch zu überleben, identifiziert sich das Kind mit dem Aggressor, selbst - oder gerade auch - wenn körperliche Gewalt beteiligt ist: Es übernimmt die vom Missbraucher verleugnete Verantwortung für die sexuellen Handlungen und glaubt, dass es selbst den Missbrauch auf irgendeine Weise herbeigeführt haben muss.

Für sexuell missbrauchte Mädchen und Jungen gleichermaßen gilt, dass sie neben ihren Gefühlen der Scham, Wut, Verzweiflung und Enttäuschung meist auch positive emotionale Beziehungen zu den sie missbrauchenden Erwachsenen haben.

Die Kinder wollen das Ende des Missbrauchs, aber sie wollen genauso auch Eltern, Väter und Mütter behalten.
Häufig erleben sie die Beziehung zum Missbraucher als intensivste emotionale Erfahrung innerhalb der Familie, wenn nicht sogar als ihre einzige.

Kommt es nun zum Aufdecken und Öffentlichmachen des sexuellen Missbrauchs so zeigen sich deutlich die ambivalenten Gefühle der Kinder:
Sie wünschen sich einerseits Schutz und Distanz und möchten andererseits dennoch ihre liebevollen Gefühle für die Familie bewahren und die Beziehungen zu ihr nicht abbrechen.

Die jahrelange Erfahrung sexuellen Missbrauchs in der Familie prägt den weiteren Lebensweg. Kinder und Jugendliche, die sexuell missbraucht wurden, unterliegen einer hohen Gefährdung, ihr Schicksal in allen Lebenssituationen zu wiederholen.

Frauen, die in ihrer Kindheit missbraucht wurden und ihre Erfahrungen für sich selbst nicht bearbeiten konnten, fehlt die oft die Gabe die Bedürfnisse ihrer Kinder wahrzunehmen, geschweige denn, sie vor Missbrauch zu schützen. Männer, die in ihrer Kindheit selbst missbraucht wurden oder den Missbrauch der Väter miterlebten, können selbst zum Missbraucher werden.


Sexueller Missbrauch außerhalb der Familie

Sexueller Missbrauch von Kindern außerhalb des engeren Familienkreises kann sich auf verschiedene Personengruppen beziehen: Zum einen können es Kontakte und sexuelle Belästigungen durch dem Kind vertraute Personen aus dem Freundeskreis der Familie, aus der Nachbarschaft, in Vereinen, Kirchen und Jugendgruppen; zum Freunde die sich den Kindern und Jugendlichen nähern.

Da hier die emotionalen Bindungen zwischen Täter und Opfer nicht so eng wie innerhalb der Familie oder in anderen vertrauten Beziehungen sind, gelangen diese Fälle eher zur Anzeige und tauchen bevorzugt in der Kriminalstatistik auf. So gibt es auch immer wieder Vergewaltigungen und sexuelle Misshandlungen von Kindern durch den "fremden Onkel im Park"; es geschieht jedoch sehr viel seltener als es im öffentlichen Bewusstsein erscheint.

Allerdings muss beachtet werden, dass sexuellen Übergriffen außerhalb der Familie häufig innerfamiliärer Missbrauch vorausgeht. Das bedeutet, dassschon in der Familie sexuell missbrauchte Kinder auch außerhalb ihrer Herkunftsfamilie leichter erneut zu Opfern werden als andere.

Bei sexuellem Missbrauch durch Personen außerhalb der Familie sind hinsichtlich der Beziehungsdynamik zwischen Täter und Opfer und damit auch der Folgewirkungen verschiedene Formen zu unterscheiden. Länger und andauernder Missbrauch durch Personen außerhalb der Familie, der mit vergleichbaren emotionalen Verstrickungen zwischen Täter und Opfer einhergeht, wie der Missbrauch durch verwandte oder dem Kind nahestehende Menschen, hat jedoch auch ähnliche Auswirkungen wie dieser.


Besondere Elemente des sexuellen Missbrauchs

Sexueller Missbrauch in der Familie unterscheidet sich von anderen Formen der Misshandlung vor allem durch den Druck zur möglichst vollständigen Geheimhaltung. Während körperliche Züchtigungen oder andere Strafen mehr oder weniger immer noch zum akzeptierten Repertoire elterlichen Erziehungshandelns zählen, die nur bestimmte Grenzen nicht überschreiten, unterliegt der sexuelle Missbrauch als solcher der Tabuisierung und folglich der Verheimlichung. Es darf darüber in keinem Fall gesprochen werden.

Da es sich bei dem Missbraucher in der Regel um eine Person handelt, zu der das Kind auch eine gute und vertrauensvolle Beziehung hat (oder hatte), übernimmt es in Identifikation mit dieser unbewusst auch deren Schuldgefühle. So glaubt es oft, dass es aufgrund seiner eigenen Schlechtigkeit missbraucht wird, dass es den Missbrauch gewissermaßen selbst zu verantworten hat. Es ist ihm deshalb kaum möglich, sein Geheimnis mitzuteilen und andere um Hilfe zu bitten.

Weitere Gründe für ein Schweigen des Kindes können sein:

  • Offene Drohungen des Missbrauchers mit Gewalt oder anderen schlimmen Folgen für ihn/sie, das Kind und die gesamte Familie, wenn der Missbrauch bekannt werden sollte.
  • Angst des Kindes, mit der Beendigung des Missbrauchs durch die Aufdeckung auf die Zärtlichkeiten und die Zuwendung des Missbrauchers und/oder Privilegien (Geschenke, Belohnungen für die Duldung) zu verlieren;
  • Angst, dass ihm nicht geglaubt wird und es als Lügner abgestempelt wird;
  • Scham wegen der Teilnahme an den verbotenen Handlungen und auch wegen eventueller lustvoller Anteile; Schuldgefühle gegenüber der Mutter bzw. der Wunsch, sie vor den Gewalttätigkeiten des Vaters zu schützen;
  • wirksame Verinnerlichung des Tabus, über Sexualität zu reden. Insbesondere bei jüngeren Kindern können als Ursachen für das Schweigen noch hinzukommen, dass es
  • in hohem Masse verwirrt ist und gar nicht benennen kann, was ihm wiederfährt;
  • nicht weiß, dass es ein Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper hat - oder haben sollte;
  • die Absichten des Erwachsenen jeweils nicht als sexuelle erkennt und sich folglich nicht wehren kann.


Wenn das Kind es trotzdem wagt, zunächst wahrscheinlich nur in Andeutungen, aber vielleicht auch direkt über seine Missbrauchserfahrungen zu sprechen, bedarf es eines ruhigen Gegenübers, einer Person, die bereit ist, ihm zuzuhören und Glauben zu schenken. Nach allen Erfahrungen gibt es so gut wie keine Falschanschuldigungen durch Kinder.

Es kann sein, dass ein Kind, um eine ihn vertraute Person zu schützen, eine andere Person beschuldigt. Die Erfahrungen zeigen, dass es in der Regel für Anschuldigungen, die Kinder äußern, reale Hintergründe.


Sekundäre Traumatisierung durch Strafanzeigen, polizeiliche Vernehmungen und Gerichtsverfahren

Die Gefahr sekundärer Schädigung nach sexuellem Missbrauch wird bereits seit einigen Jahren heftig diskutiert.

Als gesichert kann gelten, dass besonders bei eher geringfügigen Delikten, etwa, wenn ein Fremder vor Kindern und/oder Jugendlichen seine Geschlechtsteile entblößt und masturbiert(Exhibitionismus), die Gefahr einer indirekten Schädigung durch wiederholte, intensive Befragungen unter Umständen gegeben ist. Aber auch bei langjährigem sexuellen Missbrauch innerhalb der Familie wird durch die Strafverfolgung des Täters nur bedingt eine Lösung des Problems oder endgültige Hilfe für die Betroffenen erreicht.

Wenn die Kinder in diesem Zusammenhang - um sie vor weiterem Missbrauch zu schützen - unvorbereitet die Familie verlassen müssen, empfinden sie dies häufig als Bestrafung. Sie bleiben mit ihren Scham- und Schuldgefühlen allein, wenn sie nicht in eine Umgebung kommen, die mit ihren Erfahrungen richtig umzugehen weiß.

Auch die folgende Vernehmung durch die Polizei - wie einfühlsam auch immer sie durchgeführt werden mag - kann die verzweifelten Schuldgefühle noch vergrößern, denn die Betroffenen müssen von Vorfällen berichten, an denen sie sich - wie unfreiwillig auch immer - beteiligt haben, so dass sie sich selbst oft nicht nur als Opfer, sondern auch als "Komplizen" erleben.

Bis es zur Gerichtsverhandlung kommt, vergeht oft eine lange Zeit, in der die Kinder und Jugendlichen immer wieder an Selbstzweifeln und Unsicherheit leiden.
Häufig führt dies und der Druck von Seiten der Familie dann zur Rücknahme der Aussagen und zu einer Einstellung des Verfahren.


Die Texte sind mit freundlicher Genehmigung der Senatsverwaltung Berlin zur
Verfügung gestellt worden. Herzlichen Dank an dieser Stelle.



  
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