Verein
Online therapie
Hilfe
Informationen
missbrauch
hinweise
umgang
folgen
maenner
tipps_fuer_ueberlebende
t_partner
t_maenner
kind
anzeige
gesetz
Links
Kontakt
Community User werden User Login
User im Chat: User in den Foren:
0 40
      

Einzelne Schritte im Strafverfahren


Strafanzeige und Strafverfahren

Der von uns verwendete Begriff „Täter“ beinhaltet sowohl weibliche, als auch männliche Täter, wobei hauptsächlich männliche Täter häufiger sexuelle Misshandlungen begehen.

Wir möchten hier die einzelnen Schritte im Strafverfahren erläutern, wobei wir hierfür selbstverständlich keine Garantie geben können, da es immer speziell auf jeden Fall einzeln ankommt.

Nach einer Vergewaltigung, sexueller Belästigung oder sexuellem Missbrauch wirst Du, als
Betroffene(r), höchstwahrscheinlich erst einmal völlig durcheinander, ängstlich, verletzt oder wahnsinnig wütend sein. Es ist nicht einfach, in dieser schwierigen Situation klar und vernünftig zu denken, und für sich die richtige Entscheidung zu treffen, gerade auch, wenn der Täter zum Familienkreis gehört. Von Unsicherheit und Angst geplagt wirst Du Dich nun fragen: „Wie soll es weitergehen? Was kann ich tun? Soll ich Anzeige erstatten?“

Die Furcht, der Täter könnte mit Rache drohen, die Scheu vor der Polizei, vor dem Gericht, der Verhandlung usw. lassen viele betroffene Mädchen/Frauen bzw. Jungen/Männer vor einer Anzeige zurückschrecken. Wir möchten Euch Mut machen !!!

Jedes Opfer kann nur für sich alleine entscheiden, ob es gegen den Täter Anzeige erstattet oder nicht. Wichtig ist, sich vorher zu informieren. Hilfe, Beratung und Unterstützung hierfür bekommt man bei diversen Beratungsstellen, bei den Jugendämtern und bei Rechtsanwälten. Sobald der Polizei eine Straftat bezüglich Vergewaltigung, sexueller Belästigung oder sexuellem Missbrauch bekannt ist bzw. mitgeteilt wird, sind sie dazu verpflichtet, eine Untersuchung einzuleiten, was bedeutet, dass das Verfahren nicht mehr aufgehalten werden kann. Dagegen müssen Beratungsstellen und Rechtsanwälte über ihnen anvertraute Sachverhalte schweigen, wenn das Opfer dies wünscht.

1. Beratungsstellen

Man kann sich mit allen Fragen an eine Beratungsstelle wenden; das Beratungsgespräch ist kostenlos und es wird auf Wunsch auch anonym geführt, d.h. man braucht den eigenen Namen nicht zu nennen. Anonymität ist für viele Betroffene anfangs sehr hilfreich, und meist ist erst einmal wichtig, das die sexuelle Misshandlung, der sexuelle Missbrauch oder die Vergewaltigung aufhört.

2. Jugendämter

Bei den Jugendämtern ist ebenfalls eine anonyme Beratung möglich. Kinder und Jugendliche, also Betroffene unter 18 Jahren, sollten sich, sofern der sexuelle Missbrauch innerhalb der Familie stattfindet, am besten sofort an das zuständige Jugendamt wenden, um eine anderweitige Unterbringung (z.B. in einer Pflegefamilie) in die Wege zu leiten. Es ist möglich, selbst gegen den Willen der Eltern auszuziehen. In diesem Falle wird das Jugendamt den Familienrichter beim Amtsgericht informieren, damit er eine anderweitige Unterbringung beschließt. Auf Wunsch wird der Aufenthaltsort den Eltern nicht mitgeteilt, jedoch ist das Jugendamt verpflichtet, den Eltern zu sagen, das sich ihr Kind in der „Obhut des Jugendamtes“ befindet. Hierbei braucht man allerdings nichts zu befürchten, denn die Jugendämter werden nichts tun, was nicht den Wünschen der/des Betroffenen entspricht.

Beratende Institutionen (Beratungsstellen, Jugendämter) und Rechtsanwälte erstatten von sich aus keine Anzeige, denn das Interesse des Opfers steht im Mittelpunkt.

Sie tragen zur Klärung verschiedener Punkte bei, wie zum Beispiel:

  • mit wem arbeiten Beratungsstellen/Jugendämter zusammen?
  • welche Veränderungen ergeben sich nach einer Strafanzeige?
  • welche Personen schenken Glauben und unterstützen zuverlässig?
  • welche Rechte hat das Opfer?
  • möchte das Opfer zur Polizei begleitet werden?
  • Information über den Ablauf einer Verhandlung,
  • wie geht es weiter, wenn der Täter freigesprochen wird?


Fazit: Beratungsstellen und Rechtsanwälte helfen Dir, der betroffenen Person, wichtige Entscheidungen zu treffen.

3. Polizei

Wie oben schon erwähnt, sind Beamtinnen und Beamte der Polizei verpflichtet, die ihnen bekannt gewordenen Straftaten, wie sexuelle Misshandlung, sexueller Missbrauch und Vergewaltigung, zu verfolgen. Die Beamten müssen also tätig werden; dabei versuchen sie mit dem Opfer behutsam umzugehen. Die Polizei hilft, den Kontakt zu Beratungsstellen, Jugendämtern, Opferschutzeinrichtungen, Rechtsanwälten usw. herzustellen, aber auch Maßnahmen zu ergreifen, die das Opfer vor evtl. weiteren Übergriffen schützt.

Suche Dir eine Person Deines Vertrauens aus, die Dich zur Polizei begleitet! Du musst nicht alleine gehen!!!

Teilt man der Polizei eine (erlebte) sexuelle Misshandlung, eine Vergewaltigung oder einen sexuellen Missbrauch mit, so nennt man das „Strafanzeige erstatten“!

Darauf folgt eine Befragung (Vernehmung), denn nur Du – als Betroffene(r) - kannst sagen, was alles passiert ist. Ob man mit einer Beamtin oder einem Beamten sprechen möchte, darf man selbst entscheiden!
Vor einer Vernehmung werden noch einige Rechte und Pflichten erklärt, wie z.B.:

  • dass man die Wahrheit sagen muss
  • dass man keine andere Person beschuldigen darf, außer den tatsächlichen Täter
  • dass es ein „Zeugnisverweigerungsrecht“ gibt, d.h. man kann entscheiden, ob man seine Aussage machen möchte oder nicht, sofern der Täter ein Verwandter ist
  • dass der Täter durch die eigene Aussage bestraft werden kann
  • dass die Form der Bestrafung von der eigenen Aussage abhängt
  • dass man die eigenen Interessen durch eine Anwältin oder einen Anwalt vertreten lassen kann
  • u.v.m.


Danach darf die/der Betroffene entscheiden, ob die Beamtin oder der Beamte Fragen stellen soll, oder ob man selbst frei über das Geschehene/Erlebte sprechen möchte. Einige Beamte schreiben die Aussage mit oder sie wird auf ein Tonband aufgenommen. Das Opfer sollte möglichst genau beschreiben, wie und was wann passiert ist, jedoch ist es nicht schlimm, wenn Du Dich an bestimmte Details nicht erinnern kannst.

Es ist auch möglich, das sofort weitere Personen angehört („als Zeugen vernommen“) werden, die zu dem Geschehenen, etwas sagen können oder vielleicht auch gesehen haben, was Dir passiert ist. Ist dies alles geschehen, werden die Informationen zusammengetragen, Berichte geschrieben und in einer sogenannten „Ermittlungsakte“ festgehalten. Die Polizei schickt diese Akte an den Staatsanwalt, der dann feststellt, ob und in wie weit der Täter bestraft werden kann bzw. soll. Aufgrund der vorliegenden Beweise entscheidet der Staatsanwalt, ob Anklage erhoben wird. Ansonsten wird das Verfahren eingestellt.

Hat die Staatsanwaltschaft sich für eine Anklageerhebung entschieden, stellt sie die Anklageschrift dem zuständigen Gericht zu und beantragt die Eröffnung des Hauptverfahrens. Dies wird nach Anhörung der Beteiligten vom Gericht entschieden. Wird die Anklage zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet (wie in solchen Fällen fast immer) werden in einer Gerichtsverhandlung noch einmal alle Personen angehört, die zur Aufklärung der Tat etwas beitragen können, wenn der Täter die angeklagten Taten nicht gesteht. Das Gericht wird den Täter in der Regel darauf hinweisen, dass ein Geständnis strafmildernd sein kann und so versuchen, dem Opfer eine nochmalige Schilderung der Taten zu ersparen.. Allein das Gericht entscheidet dann, ob und wie der Täter bestraft wird, hierzu einige Möglichkeiten:

  • Freispruch, wenn Beweise für eine Verurteilung nicht ausreichen
  • Geldstrafe
  • Bewährungsstrafe
  • Gefängnisstrafe


4. Rechtsanwälte

Nachdem die/der Betroffene sich für eine Strafanzeige entschieden hat ist es ratsam, sinnvoll und nützlich, sich von einer erfahrenen Rechtsanwältin oder einem erfahrenen Rechtsanwalt vertreten zu lassen. Es kann sinnvoll sein, schon dann mit einer Beratungsstelle oder einem Anwalt zu besprechen, ob strafbare Handlungen vorliegen und was getan werden kann oder getan werden muß.

Nach Erstattung der Anzeige beginnt die Polizei mit den Ermittlungen. Diese können durchaus einige Wochen und Monate dauern. Sind die Ermittlungen abgeschlossen, wird das Ergebnis an die Staatsanwaltschaft weitergegeben und diese entscheidet aufgrund der vorliegenden polizeilichen Ermittlungen, ob Anklage erhoben wird oder die Ermittlungen eingestellt werden. In dieser Phase ist es der/dem Betroffenen selbst nicht möglich, Auskünfte über den Stand der Ermittlungen zu bekommen. Hier kann die beauftragte Rechtsanwältin oder der Rechtsanwalt Informationen bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft einholen sowie Akteneinsicht beantragen.

Was bedeutet Nebenklage?

Die Anwältin bzw. der Anwalt wirdschnellstmöglich einen „Antrag auf Zulassung der Nebenklage“ stellen, d.h. man stellt sich mit eigener Anklage „neben den Staat“. Das Opfer ist somit nicht mehr nur Zeuge, sondern auch Nebenkläger. Hierbei sind die Rechte der betroffenen Person, durch den Vorteil der Nebenklage, besser durchsetzbar. Während des Ermittlungsverfahrens können Stellungnahmen abgegeben werden und auch Zeugen selbst benannt werden. Und betroffene Personen können (nicht müssen!) während der gesamten Gerichtsverhandlung anwesend sein. Sonst müssten betroffene Personen nämlich als (nur) Zeuge außerhalb des gerichtssaales warten, bis sie ihre Aussage machen können.

Entscheidet sich das Gericht für die Eröffnung der Hauptverhandlung, so werden das Opfer, evtl. Zeugen und der Täter geladen. Zuerst wird der Täter zu seiner Person und zur Tat befragt bzw. gehört, er kann sich äußern oder auch schweigen. Für das Opfer ist es natürlich von größter Wichtigkeit, ob der Täter die Tat eingesteht, teilweise eingesteht oder abstreitet. Es besteht ferner die Möglichkeit (vor der Vernehmung des Opfers), dass die Öffentlichkeit bzw. auch der Täter den Gerichtssaal verlassen muss, sofern dies, auf Wunsch des Opfers, durch den eigenen Anwalt beantragt wird. Das Gericht stimmt diesem Antrag leider nicht immer zu, denn diese Entscheidung unterliegt den gesetzlichen Vorschriften der Strafprozessordnung.

Die Anwältin/der Anwalt sitzt während der Hauptverhandlung neben dem Opfer und kann unzulässige Fragen (beispielsweise der Verteidigung) durch das Gericht zurückweisen lassen.

Zum Schluss wird von der Anwältin oder dem Anwalt, von der Staatsanwaltschaft und dem Verteidiger ein sogenanntes „Plädoyer“ gehalten. Hierbei wird die Tat und die Auswirkungen der Tat auf das Opfer bewertet und es können Anträge auf eine bestimmte Verurteilung (von Anwältin oder Anwalt, Staatsanwaltschaft und auch der Verteidigung) oder auch Freispruch (meistens nur vom Verteidiger, manchmal auch von der Staatsanwaltschaft) gestellt werden. Hiernach folgt eine Entscheidung des Gerichts und das Verkünden eines Urteils.

Ein Tipp:

Es ist vorteilhafter, wenn man sich von einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt vertreten lässt, denn nur dadurch erhält man Informationen und Zwischenberichte, wie weit das Verfahren fortgeschritten ist. Gleichzeitig werden hier natürlich auch die eigenen Interessen über den Anwalt vertreten. Man tritt als Nebenkläger auf (s.o.).

Hier die Schritte des Strafverfahrens in Kurzform:

1. Beratungsstelle, Jugendamt, Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt (Beratungsphase)

  • Opfer erstattet Anzeige


2. Polizei (Ermittlungsphase)

  • ie nimmt die Ermittlungen auf und gibt die Informationen weiter an die


3. Staatsanwaltschaft (Ermittlungsphase)

  • sie prüft, ob die Beweise bzw. Informationen ausreichend sind für eine Anklage
  • wenn ja, wird Anklage erhoben
  • wenn nein, wird das Ermittlungsverfahren eingestellt


4. Gericht (Zwischenverfahren)

  • das Gericht prüft, ob die Beweise für eine Hauptverhandlung ausreichen
  • wenn ja, kommt es zur Hauptverhandlung/Gerichtsverhandlung
  • wenn nein, wird die Anklage nicht zugelassen; die Staatsanwaltschaft kann weiter ermitteln und die Beweislage verbessern und ggf. neue Anklage erheben.


5. Gerichtsverhandlung/Hauptverhandlung/Gerichtsprozess (Hauptverfahren)

6. Urteil

  • Verurteilung oder
  • Freispruch
  • Oder Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen (Schmerzensgeldzahlungen, Distanzvorschriften, Therapie (Alkohol, Drogen)o.ä.)




7. Berufung oder Revision,

wenn das Urteil nicht zutreffend ist. Durch Staatsanwalt, Verteidiger und auch die Nebenklage möglich.

Der Text wurde uns von Leonie zur Verfügung gestellt, wir danken dir!


  
powered by Peter Moog und 1st Position GmbH. Links