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Tipps für Überlebende


Allgemeine Ratschläge für den Alltag

Die Tipps sind individuell und stellen keine allgemeingültige Wahrheit oder Patentrezept für alle da. Du mußt für Dich Deinen eignen Weg finden. Aber vielleicht interessiert es Dich, was andere als hilfreich für ihre Wege empfunden haben.

Die Bedürfnisse

Die wichtigste Frage an erster Stelle: "Was brauche ich?" Diese Frage sollte oberste Priorität haben und sie sollte die Frage sein, die erst einmal das Leben bestimmen sollte. Man muss unbedingt selber auf seine Bedürfnisse achten, denn wenn man es nicht selber tut, tut es niemand. Das sollte man nie vergessen! Jeden Tag sollte man neu schauen, was man für sich braucht. Viele Dinge werden nun jeden Tag gleich sein, und einige Dinge werden nur über einen bestimmten Zeitraum benötigt - und doch ist es wichtig, auf jedes ureigene Bedürfnis zu achten, denn es ist Selbstachtung - und diese ist überlebenswichtig! Sicher muss man oft Kompromisse eingehen und kann nicht immer seiner Lust und seiner Laune nachgeben - aber es sollte sich die Waage halten zwischen Pflicht und Kür. Wenn man z.B. eines Morgens einfach nur im Bett liegenbleiben will, weil man noch müde ist, dann wäge man einfach einmal das Für und Wider ab - und entscheide aus dem Bauch heraus. Auch das muss einfach mal drin sein, dass man seinen Gefühlen nachgibt und sich selber wichtig nimmt. Dass man zu sich selber steht... Nicht anders sieht es in Beziehungshinsicht aus - man wäge das Für und Wider immer ab und entscheide. Wenn z.B. ein Partner etwas von einem verlangt, wozu man nicht bereit ist, so sollte man sich nicht scheuen und genau dieses ansprechen. Offen und klipp und klar sagen was man möchte, und was man nicht möchte. Zu sich selber und seiner Meinung stehen, sich selber den Rücken stärken - jeden Tag aufs Neue - das ist der beste Weg, das alles durchzustehen!


Stolz!

Ganz wichtig: Man sollte stolz sein, auf sich selber und auf jeden Tag, den man existiert. Jede Minute ist kostbar, man selber ist kostbar - und das sollte einen immer wieder innerlich mit Stolz ausfüllen. Stolz - auf jeden Tag, auf jede Minute, die man lebt. Man kann so stark sein, wenn man es zulässt, man kann so stolz sein, dass man es soweit geschafft hat. Dass man lebt, dass man heute noch am Leben ist, und dass man noch viel Zeit vor sich hat, noch viel schaffen und erreichen kann, noch aktiv am Leben teilnehmen kann...


Der Körper und die Sinne

Die meisten Überlebenden leiden unter einem völlig un-übereinstimmenden und diffusen Körpergefühl. Körper und Kopf und Sinne sind zu ganz getrennten Dingen geworden, auseinandergedriftet. Es kann äußerst hilfreich sein, mit dem eigenen Körper zu arbeiten, sich seiner Körpers bewusst zu werden. Sich selber zu fühlen und zu spüren - nach dem Motto: "Das gehört ja zu mir!". Spazierengehen, Entspannung, Yoga, Massage, Tanz, Atmung, Gymnastik - es gibt viele Möglichkeiten, seinen Körper bewusst wahrzunehmen. Was nun im Einzelnen das richtige ist, das ist eine ganz individuelle Entscheidung, und jeder muss schauen, dass er für sich das Richtige aussucht - was auch Spaß macht und interessiert.


Reden! Sprechen! Sich mitteilen!

Sprechen ist alles! Reden! Am besten mit Menschen, mit denen man wirklich reden kann! Die einem zuhören, denn manchmal reicht es für diesen Tag einfach aus, sich die Dinge von der Seele zu reden. Wichtig: Vertrauen zum Gesprächspartner! Langsam anfangen, langsam herantasten. So kann man ausloten, wie der Gesprächspartner evtl. damit umgeht. Und so ist auch die Gefahr, sich verraten zu fühlen, weitaus geringer. Immer nur soviel erzählen, wie man das Bedürfnis hat. Und nicht vergessen: Das Gegenüber braucht eventuell auch einen anderen Menschen zum Aussprechen, um selber damit klarzukommen. Am besten vorher abklären, damit es keine unangenehmen Überraschungen gibt. Gut geeignet sind TherapeutInnen, denn diese können ganz auf einen eingehen. Mit der Therapeutin kann man über Gefühle, Gedanken, Ängste und Hoffnungen sprechen - über alles, was einen beschäftigt. Man kann alles rauslassen, was auf der Seele liegt. Und manchmal hilft es, einfach zu erzählen - um es anschließend loslassen zu können. Manche Angst verliert ihre Macht, sobald man sie in Worte gepackt hat und sich von der Seele gesprochen hat!


Professionelle Hilfe

Am besten ist immer noch die professionelle Hilfe - und wie eben schön erwähnt - eine Therapeutin! Adressen bekommt man bei Frauenhilfseinrichtungen und Frauenvereinen. Wichtig ist, dass man eine Therapeutin findet, mit der man "klarkommt", mit der die "Chemie stimmt". Das ist die wichtigste Basis für Vertrauen, und das kann man in Probegesprächen klären. Es ist wie im "richtigen Leben" - mit manchen Menschen "kann man", mit anderen Menschen "kann man nicht". Nach einigen Besuchen wird sich dann klären, ob man "zusammenpasst" - und weitere Termine vereinbart. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Therapie, allerdings sollte man vorab telefonisch erfragen, ob die Therapeutin bei der Kasse anerkannt ist. Therapeuten haben den Vorteil, dass man all seine Probleme mit ihnen besprechen kann, und sie (im Gegensatz zu Gesprächen mit Freunden) natürlich nicht ihre eigenen Probleme loswerden wollen. Sie wissen das Richtige zu sagen und sind behilflich dabei, viele Dinge aus einer anderen Perpektive zu betrachten. Wenn man mit seiner Therapeutin nicht klarkommt, so scheue man sich nicht, dieses anzusprechen und die Therapeutin zu wechseln. Man achte - wie oben angesprochen - auf seinen ureigenen Bedürfnisse. Man sollte nie vergessen, dass man auch immer "Nein" sagen kann.


Kontakt - denn man ist nicht allein!

Der Kontakt zu anderen Überlebenden kann sehr wichtig sein. Oftmals hat man in seiner Situation das Gefühl, ganz alleine auf der Welt zu sein. Man steckt eben in sich selber drin, und kann nicht in die Seelen der anderen Menschen schauen, die einem auf den täglichen Wegen begegnen. Aber: Man ist nicht allein! Diese Seite soll es ermöglichen, Kontakt zu anderen herzustellen. Sich gegenseitig zu stärken und gegenseitig Mut zu machen. Denn die Gespräche mit Betroffenen können einem etwas geben, was kein noch so bester Freund geben kann - das ur-tiefe Gefühl, verstanden zu werden - sich angenommen zu fühlen. Zu wissen, dass man mit seiner ureigenen Geschichte des Lebens gut aufgehoben ist - eine Art "Komplizenschaft", Seelenpartnerschaft, Geborgenheit. Wenn man "Außenstehenden" eher lange mühsam erklären muss, wie man sich fühlt, so reichen bei Selbstbetroffenen oft nur ein paar Worte bis, bis man sich verstanden fühlt. Und man bekommt schneller das Gefühl, nicht alleine damit auf dieser Welt zu sein...


Kreativität und Ausdruck

Es gibt viele Möglichkeiten seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, sie herauszulassen und sie zu verarbeiten. Kreativität ist dafür ein sehr geeignetes Ventil. Ob nun Schreiben - Gedichte, Tagebuch, Geschichten - oder Malen, Zeichnen, Bildhauerei, Formen, Gestalten, oder Komponieren usw. - mit Kreativität kann man Gedanken (die sich vielleicht nicht ausdrücken lassen) in Formen und Farben packen! Auch so kann man seine Gedanken loswerden und Ballast abwerfen. Die Gedanken können z.B. malerisch dargestellt werden, oder als Bilder von Erinnerungen Ausdruck finden. Gedanken, die man nicht schriftlich oder malerisch zu Papier bringen kann, könnten in Musik umgesetzt werden! Kreativität ist ein wunderbares Mittel, um zu verarbeiten und gleichzeitig Grenzen zu überschreiten - vielleicht eine völlig neue Erfahrung, um Gedanken auf neue Weise Ausdruck zu verleihen


Entspannung

Wenn schlimme Erinnerungen noch allgegenwärtige Begleiter sind, fällt es natürlich sehr schwer, sich fallen zu lassen und zu entspannen. In den täglichen Pflichten verstrickt bemerkt man es vielleicht nicht so sehr, doch wenn man wieder Zeit zum Nachdenken hat und sich ausruhen möchte, kommen auch oftmals die Erinnerungen wieder hoch. In der Therapie gibt es Entspannungstechniken, die man mit der Therapeutin zusammen erlernen kann. Diese können einem sehr helfen, wenn man wieder kurz davor ist, in ein tiefes Loch zu fallen. Oftmals sind solche Momente abends vor dem Einschlafen, Unruhe und immer wiederehrende Gedanken kreisen unaufhörlich im Kopf und machen Entspannung und Nachtruhe zunichte. Abschalten lernen ist sehr wichtig - und auch hier gibt es verschiedene Techniken: z.B. Autogenes Training, Yoga, Tai Chi, Qui-Gong - um nur einige zu nennen. Diese Techniken kann man in VHS-Kursen erlernen, aber auch in Kampfsportschulen oder aus dem Buch von der Bücherei um die Ecke!

Zwei einfache Übungen:

Der sichere Platz:

Der "Sichere Platz" ist ein Ort der ureigenen Phantasie, zu dem man jederzeit in Gedanken reisen kann. Er schenkt Geborgenheit und Wärme, man kann ihn sich so gestalten, wie man ihn haben möchte, und er kann helfen, sich vollkommen sicher zu fühlen. Der "Sichere Ort" kann alles sein, von der kleinen wohligen Blockhütte auf dem Berg, bis hin zum Traumschloss oder Wolkenkuckucksheim. Oder ein Haus am Meer, eine unterirdische Stadt - der Phantasie sind niemals Grenzen gesetzt! Hier kann man dann entspannen.


Alles ist in Ordung, alles wird gut:

Man stelle sich einen Punkt in der Zukunft vor, an diesem Punkt ist alles gut, alles bleibt gut und alles ist geregelt und in Ordnung. Es geht gut, man leidet keinen Mangel und fühlt sich glücklich und warm aufgehoben. Geld ist genug da, allen Freunden und Familienmitgliedern geht es gut, und der Punkt ist (wie auch der "Sichere Platz") in schöne warme Farben gehüllt, der einem das Herz leicht macht und einen sich sehr wohl fühlen lässt... Alles ist in Ordnung - alles wird gut!


Buchtips:
"Schöpferisch Träumen" von Paul Tholey und Kaleb Utecht, erschienen im "Klotz Verlag".


Sex

Hier ist ganz ganz wichtig, dass man tief in sich hinein horcht und auf seine eigenen Bedürfnisse achtet. Wenn man etwas nicht tun möchte, so sollte man es auch nicht tun. Zu sich selber stehen ist hier äußerst wichtig, und man sollte sich auch nicht scheuen zu sagen, wenn man keine Körperlichkeit und wünscht. Der Freund ist nicht der Täter - auch das muss man sich vor Augen halten. Aber man steckt in seiner eigenen Haut und in seinen eigenen Gefühlen (in seiner eigenen Haut!) - und sollte nach seinen eigenen Gefühlen und nach seinen eigenen Bedürfnissen handeln.


Der Stop-Code.

Wenn die Gedanken einen nicht mehr in Ruhe lassen wollen, wenn sie die Seele regelrecht zermürben, und sich immer weiter gegen unseren Willen selbstständig machen: Es gibt eine Technik, die leicht zu erlernen ist! Ein bestimmtes, mit sich selber ausgemachtes Wort wird laut ausgesprochen und dazu in die Hände geklatscht - laut! "Stopp" oder "HALT" oder "Rosebud" - oder was auch immer - das unterbricht den Gedankenfluss, bevor er zu zähem Gedankenbrei wird, bevor die Gedanken zu Zwangsgedanken werden und einen herunterziehen und die Seele verdunkeln! Mit dieser Technik kann man negativen Gedanken tatsächlich die Nase vor der Tür zuschlagen und sie aussperren - vorausgesetzt, dass man nach dem Klatschen und dem lauten Sagen des Codewortes gleich an etwas anderes denkt, sich ablenkt, etwas arbeitet - etwas ganz anderes macht. Es hilft!


Krise, wenn es sehr schlecht geht:


Telefonieren

Mit der Therapeutin - oder einer SeelsorgeNummer. Am besten hat man gleich mehrere Nummern parat, falls es nicht gleich beim ersten Anruf klappt. Bitte in Krisen keinen falschen Stolz, wie: Man könnte stören... oder: "So schlecht geht es mir ja auch nicht..." Bitte sich selber immer ernst nehmen - Auch am Sorgentelefon kann man sich Rat holen - oder einfach nur ein offenes Ohr - und das Gefühl, nicht alleine zu sein.


Selbstmord-Gedanken?

Wenn man solche Gedanken hegt, sollte man innehalten: Man kann sich sagen:
"In einer halben Stunde kann man sich immer noch umbringen."
"In einer Stunde kann man sich immer noch umbringen."
"In zwei Stunden kann man auch immer noch umbringen"
"Morgen kann man sich auch immer noch umbringen, wenn man will!" (u.s.w.)
Damit kann man Zeit herausholen, denn vielleicht sieht man die Lage und sein Leben übermorgen schon wieder anders - und ist wieder stolz auf sich - und möchte weiterleben. Jeder Schmerz hat heute schon ein gestern, und es wird nicht so bleiben, wie es jetzt ist. Es wird besser werden, und jeder Nacht folgt ein Tag. Das Leben kann morgen schon wieder ganz warm und milde sich anfühlen, von daher sollte man immer abwarten - bevor man einen Schritt macht, den man vielleicht nicht wieder rückgängig machen kann... Die Karten mischen sich jeden Tag neu, und jeder Tag bringt etwas Neues. Und das sollte man erst einmal erleben, denn es kann ein sehr schöner Tag werden...


Noch einmal Bedürfnisse:

Man achte ganz genau auf seine Bedürfnisse, und was man jetzt in diesem Augenblick braucht. Auch sollte man seiner Wut Ausdruck verleihen und sie nicht unterdrücken. Kissen mit Fäusten traktieren oder an die Wand werfen, die Wut herauslassen, sie aus dem Körper leiten - das sind ganz wichtige Dinge, die man nicht vernachlässigen darf. Jede Wut muss raus aus dem Körper, wird sie verdrängt, kann sie sich eines Tages gegen einen selber richten - und Schaden wie "Selbstzerstörung" und "Selbsthass" anrichten - schlimmstenfalls zu einem immerwährenden Schwelbrand werden, der immer wieder unterdrückt wird. Man achte also ganz genau auf seine Bedürfnisse - und wenn man das Bedürfnis hat zu schreien oder Kissen zu verdreschen, dann tue man das - es befreit und Körper und Seele können sich entladen!


Positives Denken

Wenn man in ein Loch fällt, so sollte man immer daran denken, dass dieses auch wieder vorbeigehen wird. Vielleicht kann man sich an die Zeit davor erinnern - z.B. an gestern, als es einem noch gut ging. Solche Tage an denen es einem gutgeht, werden wiederkommen - garantiert. Daran kann man sich festhalten - und an der Tatsache, dass jeder Schmerz heute schon ein gestern hat. Es wird wieder besser!


Erden und zentrieren!

Erden und zentrieren - um aus der Gedankenfalle wieder herauszukommmen. Es kann sehr hilfreich sein, sich beim Laufen auf seine Füße zu konzentrieren - so banal das klingen mag - seine Füße zu fühlen, ihre Verbindung mit der Erde. So wird man sich des Hier und Jetzt bewusst, und spürt sich selber mit beiden Beinen fest im Leben, als ein sehr wichtiger Teil des Lebens - mit der Erde verbunden und über die Erde mit allen Menschen auf der Erde verbunden sein... Festen Schrittes mit seinen Füßen gehen, stolz und aufrecht der Rücken - kerzengerade - und immer voller Stolz. Sich dabei spüren und ahnen, dass alles besser werden wird... Und es wird besser werden, mit jedem Tag! Man darf sich selber niemals aufgeben, denn dafür ist man viel zu schade und viel zu kostbar...


  
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