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Umgang mit missbrauchten Kindern


Wichtig: Kinder und Jugendliche befinden sich in einem Dilemma. Einerseits wünschen sie sich nichts so sehr als dass der sexuelle Missbrauch aufhört, andererseits wollen sie auf keinen Fall ihre Familie verlieren! Droht der "Verlust" der Familie und gibt es kein akzeptables "Ersatzangebot", kann der sexuelle Missbrauch als "kleineres Übel" in Kauf genommen und weiter erduldet werden.

Hat ein Kind oder Jugendlicher Sie mit direkten und konkreten Hinweisen auf einen sexuellen Missbrauch konfrontiert, sollten Sie auf den Ihnen zur Verfügung stehenden Wegen dafür Sorge tragen, dass der vermutlich Betroffene geeignete Hilfe von Fachleuten erhält. Dabei hat ein sehr behutsames Vorgehen oberste Priorität, um das ohnehin schon misstrauische, verängstigte evtl. sich schuldig fühlende Kind nicht noch weiter zu erschrecken und seine Furcht vor einem möglichen Auseinanderbrechen der Familie nicht noch zu verstärken. Dennoch sollten Sie aber auch alle Möglichkeiten aufmerksam und verantwortungsvoll nutzen, um auch indirekte und versteckte Hilferufe zu registrieren und darauf innerhalb des Ihnen zur Verfügung stehenden Rahmens zu reagieren. Handeln Sie niemals voreilig wenn sie lediglich den nächsten Schritt kennen, alle weiteren Konsequenzen für das Kind oder den Jugendlichen und seine Familie Ihnen aber noch unbekannt sind.

Auch wenn sich der Verdacht des sexuellen Missbrauchs nicht erhärtet, können die Auffälligkeiten Hinweise auf Probleme des Kindes oder eine Krise in der Familie sein, die Hilfestellungen erfordern. Als eine derjenigen Personen, die das Kind aus dem tagtäglichen Umgang kennt, kann es für die Planung und Durchführung der weiteren Schritte durch professionelle Helfer im Interesse des Kindes sehr hilfreich sein, wenn auch Sie vielleicht Überlegungen zu folgenden Fragen treffen:

  • Sollte eher ein Mann oder eine Frau die folgenden Gespräche mit dem Kind führen? - Wer sollte an den Gesprächen teilnehmen?
  • Wo könnten solche Gespräche stattfinden, um dem Kind das Reden zu erleichtern?
  • Welche Tageszeit, welche Situation erschiene Ihnen besonders geeignet?
  • Was sollte, was könnte mit Gesprächen erreicht werden?

Wenn Sie versuchen, - ausgehend von Ihren jetzigen Kenntnissen und Gefühlen - sich in die Lage des Kindes oder Jugendlichen zu versetzen und sich zu fragen, wie es allgemein einem missbrauchten und traumatisierten Kind gehen könnte, und wie oder wo sich dieses besondere Kind wohlfühlt, werden Sie am ehesten wissen, wie Sie den richtigen Weg einschlagen. Im Gespräch selbst kommt alles darauf an, dem Kind zu signalisieren:

Ich/wir haben Zeit auch für weitere Gespräche.

In Kontakten soll der vermutlich Betroffene Vertrauen zu einem Gegenüber entwickeln, damit er überhaupt über die Nöte und Ängste reden kann. Es ist nicht selten, dass es notwendig. Manchmal ist es einem Kind wichtig, seinen Mantel oder seine Jacke nicht auszuziehen, um sein "Inneres" geschützt zu halten. Auch in dieser Hinsicht sollte nicht zu "Offenheit" überredet oder gezwungen werden. Vertraulichkeit oder gar Anonymität müssen zugesichert und eventuell wiederholt bestätigt werden.

Als günstig erweist sich:
  • eine Worte und Begriffe zu benutzen und möglichst in seiner Sprache zu sprechen, ohne es "nachzuäffen";
  • Immer wieder zusammenzufassen, was es gesagt hat und darüber hinaus sicherzustellen, dass man es richtig verstanden hat;
  • Eventuell Teile des Gespräches zu wiederholen, statt immer nur Fragen zu stellen, damit kein "Verhör" entsteht;
  • Fragen zu vermeiden, die auf eine Mitschuld des/der Kindes/Jugendlichen hindeuten könnten, bzw. moralisch besetzt sind (Fragen nicht mit Worten wie: "Warum...?- "Weshalb....?" - "Wieso.....? - "Wie konntest Du...?" beginnen)
  • Keine wertenden Kommentare oder Interpretationen abzugeben;
  • Auf nonverbale Signale und die Körpersprache des Kindes oder Jugendlichen achten.

Die Antworten sollen nicht IHNEN gefallen und/oder müssen nicht unbedingt IHREN Verdacht erhärten. Beharrliches Wiederholen von bestimmten Fragen oder Fragestellungen, die nur mit "JA oder NEIN" beantwortet werden können, führen im allgemeinen nicht zur Beantwortung dieser, sondern allzu oft zu nicht wahrheitsgemäßen Antworten (wenn es IHNEN wichtig ist, wird es schon so gewesen sein). Bitte wertenden Kommentare, wenn Sie durch die Mitteilungen des Kindes schockiert, angeekelt oder entrüstet sind (über das Kind, die Eltern oder andere Beteiligte, oder die ganze Situation) unterlassen.

Was folgt nach dem ersten Gespräch mit dem Kind?

Wenn sexueller Missbrauch an einem Kind oder einem Jugendlichen öffentlich wird, bedeutet das in der Regel nicht nur eine Krise für die Familie, in der Missbrauch stattgefunden hat. Da es sich um die Verletzung eines sozialen Tabus und darüber hinaus um einen Rechtsverstoss handelt und es klare Handlungskonzepte für dieses Problemfeld nur begrenzt geben kann, finden sich auch alle anderen Personen, die direkt oder indirekt an der Aufklärung des Geheimnisses beteiligt waren, unvermittelt mit einer Situation konfrontiert, der sie sich vermutlich zunächst einmal kaum gewachsen fühlen und die sie in ihren bis dahin verfügbaren Reaktionsmöglichkeiten überfordert. Man spricht deshalb sogar von einer "Krise der professionellen Helfer”, die häufig der Eröffnungskrise in der Familie folgt oder ihr vorausgeht.

Jede Person, die sich einem derart gravierenden und folgenreichen Problem gegenübersieht, erfährt zunächst einmal ihre emotionale Betroffenheit und Unsicherheit. Sie entdeckt möglicherweise, wie tief und weitgehend sie das Thema beschäftigt. Andererseits spürt sie den Wunsch, es nicht wahrhaben zu wollen, oder sie wird von Zweifeln geplagt und erlebt die Ängste vor den Reaktionen der Umwelt. Der wichtigste Faktor für die Wahrnehmung und die Beendigung des sexuellen Missbrauchs in der Familie ist die Bereitschaft der Erwachsenen, diese Problematik überhaupt in Betracht zu ziehen.

Erwachsene, die zum ersten Mal den sexuellen Missbrauch eines Kindes oder Jugendlichen "sehen”, fühlen sich ähnlich wie das betroffene Kind in seiner Familie - wahrscheinlich erst einmal mit dem Problem ganz allein. Sie sind ratlos, wie sie weiter mit ihrem Verdacht umgehen können, ohne das Kind zusätzlich zu belasten. Sie fürchten, solange sie nur die Vermutung haben, in den Ruf übler Nachrede oder Anschuldigungen oder unter den Druck der Eltern zu geraten. Auch wenn das Kind oder der Jugendliche bereits deutlichere Signale ausgesendet hat, braucht es/er möglicherweise noch einige Zeit bis zur völligen Offenbarung seines Geheimnisses. Selbst wenn das Kind oder der Jugendliche im ersten Gespräch mit einem Erwachsenen die Verdachtsmomente nicht bestätigt, bedeutet das noch nicht, dass tatsächlich kein Missbrauch stattgefunden hat. Für die Erwachsenen ist es in diesen Fällen aber wichtig, ihre Wahrnehmungen oder Befürchtungen hinsichtlich dieses Kindes/Jugendlichen nicht - mit einem Seufzer der Erleichterung - schnell wieder zu "vergessen”, sondern weiterhin aufmerksam zu bleiben und Gesprächsbereitschaft auch zu einem späteren Zeitpunkt zu signalisieren. Nur so kann verhindert werden, dass beim Kind/Jugendlichen - in der Wiederholung seiner Situation zu Hause - nicht der Eindruck entsteht, dass ihm ja doch keiner helfen kann oder wird, denn auch in seiner Familie ist sein Bedürfnis nach Schutz, Verständnis und Unterstützung schon enttäuscht worden.

Wichtig ist es, auch vage Verdachtsmomente ernst zu nehmen und sich möglicherweise in Gesprächen mit professionellen Helfern Beratung und Hilfe für die Klärung der weiteren Vorgehensweisen zu holen. Gespräche über den eigenen Verdacht und mögliche Hinweise von Seiten des Kindes haben eine sehr entlastende Funktion.

Solange der Verdacht noch nicht abgeklärt ist, müssen alle einbezogenen Erwachsenen den Inhalt der Gespräche unbedingt vertraulich behandeln. Ein überstürztes Agieren, das die Situation des Kindes vielleicht noch schwieriger (dramatischer) werden lässt, ist in den meisten Fällen schädlicher als das vorläufige Andauern des Missbrauchs!

Beratungsstellen bieten auch anonyme Beratung für ratsuchende Erwachsene an, die hinsichtlich der eigenen Unsicherheit in dieser Abklärungsphase hilfreich sein kann. Wenn ein Kind Signale aussendet oder sich direkt mit seinem Problem an eine vertraute, erwachsene Person wendet, bedeutet dies zunächst einmal, dass es den Wunsch oder die Hoffnung hat, dass ein Außenstehender ihm hilft, seine Situation zu verändern. Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen hat jedoch so weitreichende Auswirkungen und Folgen, - tieferliegende Probleme stehen eigentlich immer dahinter -, dass es unmöglich ist, die Situation durch einzelne Gespräche, die jeweils nur Teilaspekte umfassen können, zu klären.

Wenn sich der Verdacht des sexuellen Missbrauchs erhärtet, ist ein erster Austausch mit anderen Fachdiensten -gegebenenfalls in anonymisierter Form- sinnvoll. Zu diesem Zeitpunkt sollte auch der Sozialpädagogische Dienst informiert und in die weitere Planung einbezogen werden, damit er die weiteren Schritte einleiten kann. Auch wenn sich der Verdacht erhärtet, ist es immer noch wichtig, offen zu sein und eine andere Erklärung als sexuellen Missbrauch für möglich zu halten, um zu einer verlässlich abgesicherten Aufklärung zu gelangen.




  
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