Jules Interview

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Jule
Beiträge: 10
Registriert: Sa Aug 20, 2022 1:26 pm

Jules Interview

Beitrag von Jule »

Was ist passiert?
Ich wurde von einem Fremden vergewaltigt.

Wie oft ist es passiert?
Es war nur einmalig.

Wie lange ist das her?
Etwas mehr als 1 1/2 Jahre. Es geschah im November 2020.

Gibt/Gab es Zeugen?
Nein.

Mit wem hast du darüber gesprochen?
Ich habe meiner besten Freundin vor 4 Wochen davon erzählt.

War es hilfreich, darüber zu reden?
Anfangs nicht wirklich. Es hat wieder ziemlich vieles aufgewühlt gehabt. Doch jetzt nach 4 Wochen kann ich sagen, dass es die richtige Entscheidung war mit ihr darüber zu reden.

Was hilft dir, dich besser zu fühlen?
Die Gesellschaft mit meinem Freundeskreis.

Gelingt es dir, diese Hilfe auch zu nehmen?
Es fällt mir schwer Hilfe von anderen anzunehmen. Ich bin eigentlich jemand der versuchen möchte alles alleine zu schaffen.
Doch durch meine beste Freundin lerne ich gerade immer mehr Hilfe annehmen zu können, ohne dass ich mich schuldig fühlen muss.

Wie geht es dir heute?
Heute ist ein relativ guter Tag. Ich hatte heute viel Ablenkung, da ich noch einiges zu erledigen hatte.

Wie hat sich dein Leben durch die Tat(en) verändert?
Erstmal hat es sich gar nicht verändert. Keiner wusste davon und man hat es mir auch nicht angemerkt, dass da was war. Es waren Anfangs nur Schlafprobleme vorhanden, die aber auch schnell wieder weg waren. Seit ich drüber geredet habe hat sich mein Leben schon verändert. Ich schlafe wieder deutlich schlechter. Habe große Angst vor Dunkelheit, vorm alleine sein. Ich habe Probleme anderen Leuten (auch Freunden) komplett zu vertrauen. Insgesamt habe ich eine große Grundnervosität seit dem erzählen.

Welche Auswirkungen hatten die Taten auf deine Gesundheit?
So direkt hatte die Tat keine Auswirkung auf meine Gesundheit. Durch die körperliche Gewalt die mir zugefügt wurde, hatte ich viele Hämatome am gesamten Körper, vor allem aber Hämatome am Bauch, den Flanken und der Innenseite meiner Oberschenkel.
Auch auf meine mentale Gesundheit hatte es anfangs keine direkten Auswirkungen. Ich konnte es ziemlich gut verdrängen. Seit ich aber meiner Freundin drüber erzählt habe, habe ich mit Panikattacken, Flashbacks zu tun.

Welche Auswirkungen hatten die Taten auf deine Freundschaften, dein
Verhältnis zu deiner Familie oder deine Beziehung?

Dadurch das ich meiner besten Freundin von der Tat erzählt habe ist sie noch mehr für mich da und versucht mich so gut es geht zu unterstützen. Das Verhältnis zu ihr hat sich also deutlich verbessert.
Vor der Tat hatte ich noch keine Beziehung. Durch die Tat hatte ich auch große Probleme damit eine Beziehung einzugehen. In der Beziehung in der ich mich befand, fühlte ich mich anfangs sehr gut, was leider aber sehr schnell umgeschlagen ist, sodass es nur ein ertragen war. Die Beziehung war dann auch nach 5 Monaten wieder beendet.

Wie denkst du heute über die Welt? Wie hatte sich das nach den Taten
verändert?

-

Was hat dir Mut gemacht?
-

Was ist dir wichtig im Leben?
Das ich wieder glücklich werde und mich selbst akzeptieren kann mit dem was geschehen ist.

Was möchtest du gern noch erreichen?
Ich möchte mein berufliches Ziel möglichst schnell erreichen.

Wenn du Therapieerfahrungen gemacht hast, wie ging es dir damit?
Habe keine Therapieerfahrung. War bis jetzt nur einmal bei einer Beratungsstelle. Es war schwer dort hin zu gehen. So richtig hilfreich war es bis jetzt nicht. Habe aber noch ein paar Termine bei der Beratungsstelle.

Wie hat sich die Aufarbeitung auf dein Leben ausgewirkt?
-

Welches ist dein Lebensmotto?
Man kann "unmöglich" nicht ohne "möglich" schreiben.

Was sollte sich deiner Meinung nach in der Gesellschaft ändern, damit Opfern besser geholfen ist?
Über das Thema sollte allgemein offener gesprochen werden können. Es ist noch viel zu sehr von Mythen o.ä. belastet.

Hast du Anzeige erstattet?
Nein

Gab es eine Verhandlung?
-

Wie sollte sich das Rechtssystem verändern, damit Opfern besser geholfen wird?
Den Opfern sollte geglaubt werden. Ich habe keine Anzeige erstattet, da ich das Gefühl habe mir würde eh nicht geglaubt werden. Das sollte sich ändern.

Was wünscht du dir von deinen Helfern/ professionellen Helfern?
-

Was möchtest Du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?
-

Gibt es etwas, das du der Täterin oder dem Täter (auch Mehrzahl) oder auch
den absichtlichen oder unabsichtlichen Helfern der Täter oder Täterinnen sagen
möchtest?

Ich hasse dich!

Möchtest du, dass andere etwas zu deinem Interview sagen können?
Gerne

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Jaguarin
Beiträge: 2395
Registriert: Do Jul 23, 2020 11:18 pm

Re: Jules Interview

Beitrag von Jaguarin »

Hallo Jule,

danke für dein Interview.

Ich bin froh, dass du so eine gute Freundin hast.
Und ich hoffe, dass du auch hier einen Platz findest,
wo du neue Kraft und Ideen bekommst, um mit dem
Erlebnis einen brauchbaren Umgang zu finden.

Mein erster Beratungstermin beim Weißen Ring war
auch wenig hilfreich. Aber mit der Zeit hab ich immer
wieder professionelle Hilfe bekommen, für die ich
wirklich sehr sehr dankbar bin, und die mir gut
geholfen hat.

Viele Grüße
Jaguarin

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Susi
Beiträge: 1410
Registriert: Fr Jul 24, 2020 8:21 pm

Re: Jules Interview

Beitrag von Susi »

Liebe Jule

danke für Dein Vertrauen und fürs Teilen.

Ich war damals beim Weissen Ring.
Ich glaube, ihre Kernkompetenzen liegen in der Akutberatung.
Sie sind gut darin Kontakte zu vermitteln, Anwälte, Ärzte,... mir hat das damals sehr geholfen.
Aber ich kenne mehrere, die zu einem späteren Zeitpunkt Hilfe gebraucht hätten und dann enttäuscht waren.

Ich wünsche Dir von Herzen, dass Dein Wunsch "Das ich wieder glücklich werde und mich selbst akzeptieren kann mit dem was geschehen ist."
sich bald erfüllen wird. Das ist kein unrealistischer Wunsch, das ist machbar.

Morgensonnige Grüsse
Susi

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