Funkenflugs Interview

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Funkenflug
Beiträge: 19
Registriert: Sa Okt 17, 2020 11:19 am

Funkenflugs Interview

Beitrag von Funkenflug »

Was ist passiert?
S*x*ell*r M*ssbrauch
Körperliche und psychische Gewalt


Wie oft ist es passiert?
Viele Jahre, es zog sich durch die ganze Kindheit


Wie lange ist das her?
Vor 6,5 Jahren hat es geendet.


Gibt/Gab es Zeugen?
Alle Zeugen waren auch Täter aktiv und passiv.


Mit wem hast du darüber gesprochen?
Mit Ärzten, Therapeuten, einigen Freunden, die jedoch
wenig Details kennen (um mich aber auch sie zu schützen).


War es hilfreich, darüber zu reden?
Viele der Geschehnisse waren so verdrängt, dass sie
erst im Laufe der Therapie hoch kamen. Reden ist
immer noch nicht meine Stärke, denn Dinge auszusprechen
lösen das Gefühl aus, sobald die Worte raus sind,
dass ich die
Geschehnisse nicht mehr leugnen kann.

Reden hilft in der Aufarbeitung und einen Weg ins Leben zu finden,
auch wenn es schmerzhaft ist. Aber auch bei
Freunden hilft es um zu
erklären und zu verstehen.



Was hilft dir, dich besser zu fühlen?
Eine gute Vernetzung meiner Ärzte und Therapeuten, meine Tochter,
Freunde, meine Arbeit, Natur und musizieren.


Gelingt es dir, diese Hilfe auch zu nehmen?
Teilweise. Manchmal möchte ich jedoch auch keine
Hilfe und möchte "leiden". (Zeitlich befristet)


Wie geht es dir heute?
Es gibt zwar noch einige Tiefs und manchmal fällt
das Aufstehen schwer,
aber es geht mir meist recht gut.
Ich habe Ziele und einige schon erreicht, ich kann die
schönen und positiven Dinge
wahrnehmen und zulassen.


Wie hat sich dein Leben durch die Tat(en) verändert?
Ich weiß nicht wie ein Leben ohne Taten ist. Heute weiß
ich jedoch was es heißt frei zu sein, seine Meinung sagen
Zu dürfen und ein selbstbestimmte Leben zu führen.


Welche Auswirkungen hatten die Taten auf deine Gesundheit?
Psychische und körperliche Erkrankungen.


Welche Auswirkungen hatten die Taten auf deine Freundschaften, dein
Verhältnis zu deiner Familie oder deine Beziehung?
Es besteht kein Kontakt mehr zu meiner Herkunftsfamilie.
Es ist schwer Vertrauen und Nähe zu anderen Menschen
zuzulassen, jedoch habe
ich mittlerweile tolle Freundschaften.


Wie denkst du heute über die Welt? Wie hatte sich das nach den Taten
verändert?
Ich glaube, dass Dinge passieren können, die man
sich nicht mal im schlimmsten
Traum vorstellen kann.
Aber es gibt auch viele tolle Menschen, die einem helfen,
nicht aufgeben und
an einen glauben.


Was hat dir Mut gemacht?
Die Zukunft und meine Träume und Bücher.
Ich habe immer viel gelesen und mich immer in meine
Träume geflüchtet.
Ich wusste irgendwie immer, wenn ich fest daran glaube können Träume wahr werden.


Was ist dir wichtig im Leben?
Ehrlichkeit zu mir selbst und zu anderen Menschen, mir zu vertrauen
und den Mut Dinge auszusprechen.
"Nur" weil man dies oder jenes tun muss, muss ich
es noch lange nicht.
Ich möchte Menschen an meiner Seite haben die mir gut tun und trenne mich
auch von Menschen oder Dingen, die zu viel Energie rauben.



Wenn du Therapieerfahrungen gemacht hast, wie ging es dir damit?
Es dauerte lange um den richtigen Weg für mich zu finden.
Aber auch die richtigen Therapeuten. Es war oft schmerzlich.
Ich habe die ganze Palette der Gefühle und Emotionen durch.
Aber ohne Therapie wäre ich nicht da wo ich heute bin.


Wie hat sich die Aufarbeitung auf dein Leben ausgewirkt?
Freiheit, ich bin mutiger geworden, kann mich einigen
Situationen besser stellen.
Ich habe Lebensmut bekommen und gelernt selbstbestimmt zu leben.


Was sollte sich deiner Meinung nach in der Gesellschaft ändern, damit Opfern besser geholfen ist?
Den Mut mehr auf seine Mitmenschen zu achten und hinzuschauen.
Mehr Aufklärungsarbeit.



Wie sollte sich das Rechtssystem verändern, damit Opfern besser geholfen wird?
Kürzere Wartezeit auf ein Therapieplatz.
Mehr Psychotherapeuten vor allem Traumtherapeuten.
Bessere Vernetzung zwischen Behörden und/oder Ämter, Ärzten und Institutionen.



Was wünscht du dir von deinen Helfern/ professionellen Helfern?
Die Wahrheit auch wenn sie unbequem ist und keine
Wattebälle.


Was möchtest Du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?
Die Vergangenheit ist leider nicht zu ändern, doch
es gibt ein Leben danach. Schau nicht immer auf
das, was noch nicht so geht, sondern lasse auch
die kleinen Fortschritte zu.
Verliere nie den Mut an dich zu glauben.

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